Sabine
[mythisch::faktisch]
Ihre Pflanzen waren groß, grün und prächtig. Dafür gab es einen guten Grund. Einmal pro Woche sprach Sabine mit ihren Pflanzen. Vielleicht ist „sprechen“ das falsche Wort. Man könnte auch sagen, sie drohte ihren Pflanzen. Alle 2 Monate wählte sie eine aus, die zu langsam wuchs oder sich die Freiheit nahm, ein wenig zu welken. Nun, sie trug sie herum, zeigte sie den anderen Pflanzen und sagte: „Verabschiedet euch von eurem Freund. Ihr wisst ja, dass ich keinen Ungehorsam dulde ...“ Dann verließ sie die Wohnung mit dem aufsässigen Gewächs, kehrte eine halbe Stunde später zurück und stellte einen sehr leeren Blumentopf ins Wohnzimmer. Sabines Pflanzen waren die grünsten und schönsten in ganz Berlin. Und sie fürchteten sich die ganze Zeit über. Es kann Vorteile haben Pädagogin zu sein und Psychologin.
Leider sind Menschen nicht ganz so einfach. Und Kinder ... nun Kinder muß man völlig anders behandeln, wenn sie nicht nur grün werden, sondern wachsen sollen. Und das ist manchmal ziemlich anstrengend.
Zur Ablenkung und zur Erholung spielte Sabine schon immer gern Gitarre. Nichts lenkt beispielsweise 30 hungrige Kinder besser ab, als wenn man gemeinsam mit ihnen unanständige Lieder singt.
Eines Tages nun wurde Sabine gebeten in einer namenlosen Frauen-Punk-Band E-Bass zu spielen. Und siehe da – die 3 Töne kriegte sie hin. Kurz bevor es langweilig wurde, immer die gleichen Noten zu spielen, löste sich die Band auf. Sabine fing jetzt an, richtig Bass spielen zu lernen und kurze Zeit später wurde sie gebeten, in der Band-die-später-mal-„Miserlou“-heißen-sollte mitzuspielen. Da ein E-Bass viel zu leicht und zu klein ist, kaufte sich Sabine einen Kontrabass und ist seitdem schon von weitem zu erkennen, wenn die Band irgendwo auftaucht, um Musik zu machen.
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